Banking & Finanzierung

Liquidität richtig planen

Wie Unternehmen ihren Cashflow im Blick behalten und sich auf einen möglichen Konjunkturaufschwung vorbereiten können.

Die deut­sche Wirt­schaft steckt tief in der Kri­se. So lau­tet das Fa­zit der tra­di­tio­nel­len Be­fra­gung des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) un­ter 49 Wirt­schafts­ver­bän­den zum Jah­res­wech­sel 2024/2025. 31 von 49 Bran­chen­ver­bän­den be­schrei­ben dem­nach die ak­tu­el­le La­ge ih­rer Mit­glie­der als schlech­ter im Ver­gleich zum Vor­jahr. Ein ähn­lich trü­bes Bild zeich­net das KfW-ifo-Mit­tel­stands­ba­ro­me­ter: Der In­dex für das Ge­schäfts­kli­ma sank zum En­de des Jah­res 2024 zum sieb­ten Mal in Fol­ge. Ge­mes­sen wird er durch die mo­nat­li­che Be­fra­gung von rund 9.000 Un­ter­neh­men. Auch die Ge­schäfts­er­war­tun­gen für das ers­te Halb­jahr 2025 san­ken er­heb­lich: im Mit­tel­stand um 4,2 Zäh­ler auf mi­nus 23,8 Punk­te und bei den Gro­ß­un­ter­neh­men um 3,1 Zäh­ler auf mi­nus 22,4 Punk­te.

Ertragsausfällen vorbeugen

Vor dem Hin­ter­grund der an­hal­tend schwa­chen wirt­schaft­li­chen Aus­sich­ten sind Er­trags­aus­fäl­le für vie­le Un­ter­neh­men im lau­fen­den Jahr wahr­schein­lich. Ins­be­son­de­re für die­se Un­ter­neh­men ist es von exis­ten­zi­el­ler Be­deu­tung, ih­ren ak­tu­el­len Li­qui­di­täts­sta­tus zu ken­nen und die vor­aus­sicht­li­che Ent­wick­lung der Li­qui­di­tät und des Li­qui­di­täts­be­darfs mög­lichst prä­zi­se ein­zu­schät­zen. Das aber ist nicht im­mer ein­fach: In der Um­fra­ge Tre­a­su­rer-Pa­nel der Zeit­schrift „Der­Tre­a­su­rer“, an der im Herbst 2024 rund 40 Tre­a­su­ry-Che­fin­nen und -Chefs teil­ge­nom­men ha­ben, stand das The­ma Li­qui­di­täts­steue­rung und Cash-Ma­nage­ment an ers­ter Stel­le der grö­ß­ten Her­aus­for­de­run­gen. Im Vor­jahr hat­te die­ses The­ma nur Rang 3 be­legt

Kleine und mittlere Unternehmen mit Nachholbedarf

Vor al­lem klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men (KMU) ha­ben der Li­qui­di­täts­pla­nung in der Ver­gan­gen­heit nicht im­mer die not­wen­di­ge Be­ach­tung ge­schenkt. Das zeigt ei­ne Stu­die des Markt­for­schungs­in­sti­tuts Inno­f­act im Auf­trag des Soft­ware­an­bie­ters Agi­cap. Dem­nach sind das Li­qui­di­täts- und Fi­nanz­ma­nage­ment bei ei­nem Vier­tel der 500 be­frag­ten KMU-Ent­schei­de­rin­nen und -Ent­schei­der erst durch die Co­vid-19-Pan­de­mie zu wich­ti­gen The­men ge­wor­den. Ein Grund hier­für: Selbst­stän­di­ge und Un­ter­neh­men konn­ten ih­ren An­spruch auf Co­ro­na-Hil­fen in Form von di­rek­ten staat­li­chen Zu­schüs­sen oder KfW-Son­der­kre­di­ten nur gel­tend ma­chen, wenn sie ih­re Aus­fäl­le an­hand kon­kre­ter Zah­len be­le­gen konn­ten.

Wich­tig kann das The­ma Li­qui­di­täts­pla­nung nicht zu­letzt im Hin­blick auf ei­ne dro­hen­de In­sol­venz sein. Ver­säumt die Ge­schäfts­füh­rung ei­nes Un­ter­neh­mens, dem die Zah­lungs­un­fä­hig­keit oder Über­schul­dung droht, ei­nen In­sol­venz­an­trag zu stel­len, weil sie die Not­la­ge nicht früh­zei­tig er­kennt, kann das zu zi­vil- und straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen füh­ren. Bei haf­tungs­be­schränk­ten Un­ter­neh­men schreibt das Ge­setz über den Sta­bi­li­sie­rungs- und Re­struk­tu­rie­rungs­rah­men für Un­ter­neh­men (StaRUG) die Im­ple­men­tie­rung ei­nes Sys­tems zur Kri­sen­früh­er­ken­nung vor.

Gut aufgestellt für einen Neustart

Von Bedeutung ist eine fundierte Liquiditätsplanung jedoch nicht nur für und in Krisenzeiten. In guten Zeiten kann sie zum Beispiel dabei helfen, finanzielle Freiräume für wichtige Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit zu identifizieren – ein Thema, das für viele Unternehmen bei einer möglichen Konjunkturerholung wieder wichtiger werden dürfte. Insolvenzen treten häufig am Beginn des Aufschwungs auf. Denn wenn ein Unternehmen nach einer Krise wieder mehr Umsatz machen will, muss es zumeist auch wieder mehr Waren einkaufen, also in Vorleistung treten. Wenn die Liquiditätsplanung das nicht berücksichtigt hat, kann es zu einem ernsten Finanzierungsproblem kommen. Daher ist die Empfehlung, die Liquiditätsplanung fortlaufend der jeweiligen Entwicklung anzupassen. Dazu gehört auch, freie Liquidität möglichst gewinnbringend zu parken, bis sie benötigt wird. Hier rückten zuletzt Zinsanlagen wie Tages- und Festgeld- beziehungsweise Termingeldkonten wieder in den Fokus.

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Liquiditätsplanung – eine Kurzanleitung

Welche Aspekte bei der Liquiditätsplanung eine Rolle spielen sollten, haben wir Ihnen im Folgenden kompakt zusammengefasst. 

  1. Ist-Zustand analysieren

    Ziel der Liquiditätsplanung ist die Ermittlung des voraussichtlichen Bestandes liquider Finanzmittel zu einem bestimmten Zeitpunkt. Basis dafür sind der Ist-Zustand und möglichst verlässliche Informationen über künftige Zahlungseingänge und -ausgänge. Prognosen über den künftigen Cashflow lassen sich zum einen auf Basis bekannter Daten ermitteln, etwa anhand von Zahlungszielen bereits gestellter Rechnungen, zum anderen durch Erfahrungswerte aus der Vergangenheit.

    Auf der Einnahmenseite gilt es unter anderem, einen möglichen Rückgang der Aufträge, veränderte Zahlungsmodalitäten und das Ausfallrisiko bei Forderungen realistisch einzuschätzen.

    Auf der Ausgabenseite sind insbesondere die noch immer hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Vorprodukte, inflationsbedingt steigende Lohnkosten sowie ein gestiegener Investitionsbedarf in das Umlaufvermögen bei erwarteten Auftragszuwächsen, fällige Kredite oder auslaufende Finanzierungszusagen zu berücksichtigen. Hier sollten auf jeden Fall folgende Informationen in die Liquiditätsplanung einfließen:

    • Personalkosten
    • Miet- oder Pachtzahlungen
    • Energiekosten
    • Versicherungen
    • Kosten für den Wareneinkauf
    • Tilgungs- und Zinsraten für Kredite inklusive Refinanzierungsrisiken
    • Leasingraten
    • Steuerzahlungen
  2. Auf digitale Tools setzen

    Für eine solide Liquiditätsplanung ist es wichtig, dass alle zugrunde liegenden Daten möglichst aktuell und vollständig sind. Auf dieser Basis können dann verschiedene Cashflow-Szenarien für die nächsten Monate durchkalkuliert werden. Viele Unternehmen, auch größere, setzen dabei immer noch auf Excel-Sheets. Komfortabler und sicherer sind spezialisierte Softwarelösungen, die es zum Beispiel als cloudbasierte Abomodelle gibt. Tipp: Das Steuer- und Finanzportal Haufe.de bietet in einem umfassenden Artikel Hilfestellung bei der Auswahl von Software zur Liquiditätsplanung.

  3. Engpässe erkennen, Chancen nutzen

    Eines der wichtigsten Ziele einer mittel- bis langfristigen Liquiditätsplanung ist es, böse Überraschungen zu verhindern. Insbesondere für Unternehmen aus Branchen, die von den hohen Energie- und Rohstoffpreisen stark betroffen sind, ist es wichtig, verschiedene Szenarien durchzuspielen. Dazu gehört auch ein Stress-Szenario, das weiter steigende Preise und möglicherweise ausfallende Einnahmen berücksichtigt.

    Zeichnet sich ein Liquiditätsengpass ab, können dadurch schnell entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört das Verschieben geplanter Investitionen oder die Vermietung von Anlagevermögen. Wichtig ist auch ein frühzeitiges Gespräch mit der Bank, um aktuelle Kreditvereinbarungen etwa für den Kontokorrentkredit anzupassen oder ergänzende Finanzierungs- oder Umschuldungsmöglichkeiten zu erörtern.

Finanzierungsalternativen prüfen

Wird im Rahmen der Liquiditätsplanung ein drohender Liquiditätsengpass identifiziert, sollte das betroffene Unternehmen so schnell wie möglich das Gespräch mit der Hausbank suchen und Transparenz schaffen, sprich: alle Zahlen auf den Tisch legen. Gegenseitiges Vertrauen ist immer die beste Basis für eine gemeinsame Lösung. Wenn sich zum Beispiel durch einen Konjunktureinbruch die Rahmenbedingungen für das Unternehmen kurzfristig ändern, die Rückkehr zu einem normalen Geschäftsalltag aber früher oder später realistisch erscheint und ein hohes Maß an Transparenz durch ein solides Finanzreporting besteht, wird sich beispielsweise die Postbank grundsätzlich offen für die Erarbeitung von Überbrückungslösungen zeigen.

Neben klassischen Kreditfinanzierungen können auch alternative Finanzierungsformen wie Leasing oder Factoring herangezogen werden. Durch den Verkauf von Forderungen (Factoring) lassen sich das Zahlungsausfallrisiko eliminieren und zusätzliche Liquidität generieren. Ein besonders sinnvoller Finanzierungsbaustein kann Factoring bei einer Vielzahl von Forderungen mit längeren Zahlungszielen und guten Bonitäten der Zahlungspflichtigen sein. Welche Finanzierungslösung infrage kommt, hängt von zahlreichen Faktoren ab, etwa dem zugrunde liegenden Geschäftsmodell, der Höhe des Finanzierungsbedarfs und den gewünschten Rückzahlungsmodalitäten.

 

Stand: Januar 2025; alle Angaben ohne Gewähr
Bildnachweis: Adobe Stock / t.sableaux

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